Mittwoch, 30. Januar 2008
Der venezianische Karneval hat eine über 700-jährige Geschichte. Im Mittelalter dauerten die Feierlichkeiten vor dem “Abschied vom Fleisch”, also dem Beginn der Fastenzeit vor Ostern, ein halbes Jahr. Berühmt ist der Karneval in der Lagunenstadt natürlich für seine Masken. Die Verkleidung hatte den tieferen Sinn, dass an den Karnevalstagen die sozialen Rangordnungen aufgehoben waren. Jeder konnte in eine beliebige Rolle schlüpfen.
Die wohl berühmteste Verkleidung ist die Bauta. Sie besteht aus einem Schleier oder Spitzentuch aus schwarzer Seide, dazu einem Dreispitz und einer weißen Maske, der so genannten Larva oder Volto. Der untere Teil der Maske steht so weit vom Mund ab, dass es problemlos möglich ist mit ihr zu sprechen und zu essen. Allerdings muss der an ihr befestigte Hut aufbehalten werden.
Karnevalsmuffel gibt es offenbar nicht nur in Deutschland, auch Napoleon war einer. Er verbot das bunte Treiben, als seine Truppen Anfang des 19. Jahrhunderts die Stadt besetzten. Und auch lange nach dem Abzug der Franzosen wurde kein Carnevale mehr gefeiert. Erst 1980 lebte die Tradition, vorrangig aus touristischen Gründen, wieder auf. Statt einem halben Jahr dauert der Karneval nun nur noch zehn Tage.
In diesem Jahr hat er aber eine neue Wandlung vollzogen. Der Engelsflug vom Campanile auf den Markusplatz, mit dem alljährlich das Geschehen eröffnet wird, absolvierte in diesem Jahr der schwarze Rapper Coolio. Doch dies war nicht die einzige Veränderung, die Traditionalisten wohl unglaublich schauen ließ. Das Motto beim traditionsreichen Marienumzug lautete “Keine Masken”, denn die seien zu traurig. Bürgermeister Massimo Cacciari will beim – wie er es nennt – schönsten Fest der Welt ein neues, fröhliches, vielfältiges Kapitel aufschlagen. Masken werden bei den zahlreichen privaten Bällen bis zum 5. Februar sicherlich aber genügend zu sehen sein. Und auch mit dem neuen Stil wird der Carnevale di Venezia nicht untergehen, genausowenig wie La Serenissima selbst.
Montag, 15. Oktober 2007
Die Tauben sollen aus Venedig verbannt werden. Erschreckt hat mich die Meldung im Reise Weblog nicht. Erstaunt schon, denn schließlich bevölkern die von manchen Ratten der Lüfte genannten Vögel schon seit Ewigkeiten vor allem den Markusplatz, den Napoleon einmal als den schönsten Festsaal Europas bezeichnete.
Doch nun sieht die Stadtverwaltung nach vielen Ankündigungen die Zeit des Handelns gekommen. Laut n-tv ordnete Bürgermeister Massimo Cacciari an, dass die Taubenfutterverkäufer vom Markusplatz verschwinden sollen. Außerdem werde bei Hochzeiten die traditionelle Sitte verboten, Brautpaare nach dem Verlassen der Kirche mit Reiskörnern als Zeichen der Fruchtbarkeit zu bewerfen. Diese Tradition locke die unliebsamen Vögel zusätzlich an.
Cacciaro sprach in der Zeitung “La Repubblica” von einem Krieg der Tauben. Bislang waren alle Maßnahmen wirkungslos. Weder die angedrohten hohen Strafen fürs Füttern noch das Fangen mit Netzen zeigten Wirkung. Auch Verhütungsmittel im Futter seien im Gespräch gewesen.
Die Tauben sind eine teure Plage in der Lagunenstadt. Fast täglich müssen Monumente, Skulpturen und Plätze von deren Dreck gereinigt werden. Das kostet jeden Venezianer 275 Euro im Jahr. Millionenschäden entstehen durch die Vögel außerdem der umliegenden Landwirtschaft.
Donnerstag, 9. August 2007
Es ist ein teures Vergnügen. Viel teurer etwa als sich auf Venedigs Wasserstraßen mit dem Wassertaxi, dem Vaporetto, befördern zulassen. Aber die Fahrt mit einer Gondel ist und bleibt ein einmaliges Erlebnis. Auch wenn die Gondolieri heutzutage höchstens noch gegen Aufpreis italienische Liebeslieder schmettern.
Etwa im 11. Jahrhundert waren die Holzboote erstmals auf den Kanälen der Lagunenstadt unterwegs. Anfangs gab es sie noch in vielen verschiedenen Farben, die verschiedenen Adelshäuser wollten sich im Prunk ihrer Wasserfahrzeuge gegenseitig überbieten. Erst ein Gesetz, das der venezianische Senat 1562 erließ, schrieb einen einheitlichen schwarzen Anstrich vor.
Geblieben ist allerdings, dass ausschließlich Männer die Gondola mit einem mehrere Meter langen Ruder an allen Hindernissen vorbei geschickt durch die Stadt manövrieren. Fast. Denn nach jahrelangem Kampf hat es die seit zehn Jahren in Venedig lebende Alexandra Hai geschafft eine Lizenz zu bekommen. Mehrere Male hatte die Kommission sie durchfallen lassen. Sie klagte – und gewann.
Allerdings erreichte die gebürtige Hamburgerin nur einen Teilerfolg. Denn sie darf lediglich Gäste des Hotels, bei dem sie angestellt ist, befördern und im Club der Gondolieri ist sie auch nicht Mitglied. So wird der Begriff “gondoliera” auch weiterhin ein Fremdwort in der italienischen Sprache bleiben.
Samstag, 21. Juli 2007
Die Internationalen Filmfestspiele von Venedig begehen in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum. Seit 1932 sind sie Teil der alle zwei Jahre stattfindenden Biennale für zeitgenössische Kunst. Vom 29. August bis zum 8. September werden sich die Größen der Filmwelt wieder ein Stelldichein geben.
Seit 1951 ist der Hauptpreis der Goldene Löwe, mit dem jeweils der Regisseur des auserwählten Filmes prämiert wird. Zu den Preisträgern in der Vergangenheit gehörten Roberto Rossellini (Der falsche General), Wim Wenders (Der Stand der Dinge) und Ang Lee (Brokeback Mountain). Das Festival am Lido di Venezia ist das älteste der Welt und gehört neben den Veranstaltungen in Cannes und Berlin zu den bedeutendsten Treffen der Cineasten.
Wurde erst vor kurzem die komplette Jury vorgestellt, so stehen einige Preisträger bereits jetzt fest. Der Preis zum 75-jährigen Jubiläum wird an Bernardo Bertolucci verliehen, für sein Lebenswerk wird Tim Burton ausgezeichnet.