Sonntag, 22. Juli 2007

fiee_3243_nn.jpgEin französisches Abendessen ohne Pernod ist fast unvostellbar. Vor allem als Aperitif gehört das Anisgetränk einfach dazu. Schon 1805 gründete Henri-Louis Pernod die erste Pernod-Distillerie in Frankreich. Seine erste Blütezeit erlebte das Getränk, das damals noch ein Absinth war, Mitte des 19. Jahrhunderts. Pernod war der Drink der Künstler und der Bohème, belebte die Cafés und sorgte mit seinem Alkoholgehalt von 70 bis 75 Prozent für so manchen Rausch. Van Gogh soll sich unter dem Einfluss von Absinth sein Ohr abgeschnitten haben.

Nach der Prohibition 1915 kam Pernod 1920 wieder auf den Markt, mit einer veränderten Rezeptur. Der Alkoholgehalt war reduziert worden, die halluzinogene Zutat arternisia absinthium nicht mehr enthalten. Seiner Popularität tat das keinen Abbruch und so ist Pernod, dessen Hauptzutat Sternanis ist, dem verschiedene Kräuter wie Minze, Fenchel und Koriander bei der Destillation beigemengt werden, als Nationalgetränk der Franzosen zu bezeichnen.

Am stilvollsten wird er mit Wasser getrunken, das separat gereicht wird. Aber auch der in den 80er Jahren populäre Pernod-Cola ist immer noch aktuell. Ebenso wie eine Weisheit, die sich bei genauerer Betrachtung als Ammenmärchen herausstellt. Wissenschaftlich wurde jedenfalls noch nicht nachgewiesen, dass das Zähneputzen am Morgen nach einem Pernod-Abend für einen erneuten Rausch sorgt, trotz aller mehr oder weniger schlüssigen Erklärungen, die im Umlauf sind.



Mittwoch, 18. Juli 2007

paris_071.jpgVincent van Gogh hat in ihnen skizziert, Ernest Hemingway die Gedanken zu seinen Welterfolgen aufgeschrieben – Moleskines. Moleskine war das fabulöse Notizbuch der Künstler und Intellektuellen. Kleine französische Buchbinder lieferten sie schon vor 200 Jahren an die Schreibwarengeschäfte von Paris, wo sie nicht nur die einheimischen sondern auch die internationale Avantgarde für reißenden Absatz sorgte.

Vor über 20 Jahren stellte 1986 der letzte Hersteller, ein Familienunternehmen in Tours, die Produktion ein. Der englische Schriftsteller Bruce Chatwin kaufte sämtliche Bestände auf und wanderte nach Australien aus. Vor rund zehn Jahren brachte der Mailänder Verlag Modo&Modo angefertigt nach den Beschreibungen in Chatwins Romanen die in Lederpapier eingebundenen Notizbücher. Und nun warten sie wieder darauf, mit großen Gedanken oder genialen Zeichnungen gefüllt zu werden.