Ein französisches Abendessen ohne Pernod ist fast unvostellbar. Vor allem als Aperitif gehört das Anisgetränk einfach dazu. Schon 1805 gründete Henri-Louis Pernod die erste Pernod-Distillerie in Frankreich. Seine erste Blütezeit erlebte das Getränk, das damals noch ein Absinth war, Mitte des 19. Jahrhunderts. Pernod war der Drink der Künstler und der Bohème, belebte die Cafés und sorgte mit seinem Alkoholgehalt von 70 bis 75 Prozent für so manchen Rausch. Van Gogh soll sich unter dem Einfluss von Absinth sein Ohr abgeschnitten haben.
Nach der Prohibition 1915 kam Pernod 1920 wieder auf den Markt, mit einer veränderten Rezeptur. Der Alkoholgehalt war reduziert worden, die halluzinogene Zutat arternisia absinthium nicht mehr enthalten. Seiner Popularität tat das keinen Abbruch und so ist Pernod, dessen Hauptzutat Sternanis ist, dem verschiedene Kräuter wie Minze, Fenchel und Koriander bei der Destillation beigemengt werden, als Nationalgetränk der Franzosen zu bezeichnen.
Am stilvollsten wird er mit Wasser getrunken, das separat gereicht wird. Aber auch der in den 80er Jahren populäre Pernod-Cola ist immer noch aktuell. Ebenso wie eine Weisheit, die sich bei genauerer Betrachtung als Ammenmärchen herausstellt. Wissenschaftlich wurde jedenfalls noch nicht nachgewiesen, dass das Zähneputzen am Morgen nach einem Pernod-Abend für einen erneuten Rausch sorgt, trotz aller mehr oder weniger schlüssigen Erklärungen, die im Umlauf sind.