Dienstag, 24. Juni 2008

ravensburgerAls der Ravensburger Buchhändler Otto Maier 1883 seinen ersten Autorenvertrag unterschrieb, legte er den Grundstein zu dem heute international bekannten Markenartikelunternehmen Ravensburger. Seine ersten verlegerischen Werke waren unter anderem Ratgeberliteratur und Vorlagemappen für das Bau- und Kunsthandwerk. 1884 erschien der erste Spieletitel Reise um die Erde. Otto Maier wollte mit seinem Programm die bürgerliche Mittelschicht gewinnen, die hochwertige Produkte schätzte. Bereits im Jahr 1900 ließ er sich vom kaiserlichen Patentamt das Warenzeichen „Ravensburger Spiele“ schützen. Als einer der ersten Verleger in Deutschland schickte er ab 1902 einen “Reisenden Herrn” als Vertreter durch ganz Deutschland, Westeuropa, in die Donaumonarchie und ins Baltikum.

Otto Maier starb 1925 im Alter von 73 Jahren. Seine Söhne Otto, Karl und Eugen Maier teilten sich fortan die organisatorische und redaktionelle Leitung des Verlages. Sie führten in der damaligen Ära der Neuen Sachlichkeit einen neuen Produktstil mit klaren, einfachen Formen ein, der in dem Spiele-Klassiker Fang den Hut von 1927 bis heute erhalten blieb. 1939 erwirtschaftete der Otto Maier Verlag mit 65 Mitarbeitern 600.000 Reichsmark Umsatz, den Großteil davon durch Bücher.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann das Geschäft mit Spielen immer stärker an Bedeutung. Mit Erfolgstiteln wie dem Legespiel memory (1959) und dem Familien-Klassiker Malefiz (1960) veröffentlichte der Verlag zwei seiner wichtigsten Titel. Nach dem Tod der Söhne von Otto Maier traten die Gründerenkel Otto Julius Maier und später seine Cousine Dorothee Hess-Maier in die Fußstapfen ihrer Väter. Mit den Ravensburger Hobbys als Bastelpackungen (1960) und Interlocking-Puzzles für Kinder und Erwachsene (1964) verwirklichten sie amerikanische Produktideen, die in Deutschland noch völlig unbekannt waren. Neu waren auch Ravensburger Taschenbücher (1963) für Kinder und Jugendliche.

Der steigende Absatz der Produkte erforderte Anfang der 1960er Jahre eine Umstellung der Produktionsmethoden. In mehreren Etappen entstanden ab 1962 Produktionsstätten im Industriegebiet der Stadt Ravensburg. 40.000 qm Nutzfläche stehen dort heute für Druckerei, Puzzle-fertigung, Hochregallager und Auslieferung zur Verfügung. Der Ausbau der Produktion zog einen entsprechenden Ausbau des Vertriebs nach sich. Bereits 1964 wurde die erste Ravensburger Tochtergesellschaft in den Niederlanden gegründet. Seit 1970 entstanden Vertriebstöchter in fast allen westeuropäischen Ländern. Ravensburger Produkte werden heute in mehr als 90 Länder der Welt exportiert.

Der Spieleverlag steht europaweit an erster Stelle bei Puzzles und Beschäftigungsprodukten und ist deutscher Marktführer bei Spielen. Der Ravensburger Buchverlag ist heute einer der führenden Verlage im deutschen Kinder- und Jugendbuchmarkt. Ravensburger erwirtschaftet mehr als die Hälfte seines Umsatzes im Ausland. Der Verlag ist eines von wenigen Unternehmen der Branche, die ihre Produkte in eigenen Werken in Europa fertigen. 85 Prozent aller Ravensburger Produkte entstehen heute an den zwei Produktionsstandorten in Ravensburg und Poliçka (Tschechien).

Foto: Ravensburger AG