Samstag, 12. Januar 2008

smoking.jpgSeit dem 1. Januar sind harte Zeiten für Raucher in deutschen Gaststätten und Kneipen angebrochen. Zwar gibt es noch die eine oder andere Übergangsregelung, doch die meisten Gastronomen haben das Rauchverbot umgesetzt. In England ist das schon lange der Fall. Und dort haben die Raucher gleich doppelt schlechte Karten, wie ich bei einem Kurztrip nach London festgestellt habe.

Irgendwo hatte ich gelesen, dass das “No smoking” in den Pubs ignoriert würde. Denkste! Überall rauchfreie Zone. Was dazu führt, dass auch bei 8 Grad und Sonnenschein die Tische nach draußen gestellt und tatsächlich auch kräftig genutzt werden. Ganz solche Hardcore-Raucher sind meine Frau und ich denn aber doch nicht und zogen ein Platz im Inneren vor. Genau da, wo man zwar für jede Bestellung an den Thresen gehen muss, aber auch ein einzelnes Pint mit der Kreditkarte bezahlen kann.

Der Schock kam dann aber, als sich unser Zigarettenvorrat aus Deutschland dem Ende zuneigte. Als wir vor fünf Jahren in der britischen Hauptstadt gewesen waren, hatten wir uns noch eine Stange mitgenommen, denn uns waren die hohen Preise für die Suchtröhrchen bekannt. Da aber auch zu Hause der Packungspreis mittlerweile explodiert ist, ignorierten wir das. 2,65 Pfund für eine Packung, also etwa 3,80 Euro, das schien ja auch nicht so schlimm zu sein. Dafür gab es allerdings nur eine 10er-Schachtel. Es werden nämlich 10er-, 14er- und 20er-Größen verkauft. Rauchenden Campingfreunden, die in England Urlaub machen wollen, bleibt also nur zu raten, genügend Zigaretten aus Deutschland mitzunehmen. Oder noch besser: mit dem Rauchen aufhören.



Samstag, 10. November 2007

mohnfeld_186961.jpgIn der Nacht zu Sonntag werden zahlreiche Gebäude in London rot angestraht. Der Grund: Am 11. November ist Rememberance Day. An ihm wird der Kriegstoten gedacht. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Mohn.

Im britischen Empire wurde der Tag nach dem Ersten Weltkrieg am 11. November eingeführt. Laut dem Waffenstillstandsvertrag von Compiègne sollten die Kriegshandlungen am elften Tag des elften Monats um 11 Uhr eingestellt werden. In England wird das Remembrance Day Weekend begangen. Am 11. November werden zwei Schweigeminuten gehalten. Am nächstgelegenen Sonntag, der in diesem Jahr der selbe Tag ist, legt die Königin im Beisein von Premierminister und Veteranen einen Strauß Mohnblumen am Mahnmal Cenotaph im Londoner Stadtteil Westminster nieder.

Die Mohnblume soll in Anlehnng an das Gedicht des Kanadiers John McCrae “In Flanders Fields” an die vom Blut der Soldaten geröteten Felder Flanderns erinnern. Abgeleitet vom englischen Namen der Blume wird der Gedenktag auch Poppy Day genannt. Künstliche Mohnblumen zum Anstecken werden vom Veterenärveband British Legion an diesem Tag verkauft.



Sonntag, 16. September 2007

cimg4006.jpgZugegeben, Zeitungsseiten mit Fettflecken sind nicht jedermanns Sache. Zum Lesen ist die Zeitung, in die Fish and Chips eingewickelt werden, ja auch nicht gedacht. Außerdem ist diese Tradition praktisch ausgestorben. Was man von der Kombination Backfisch und Pommes ganz und gar nicht behaupten kann.

Fish’n'Chips zählen zu den Nationalgerichten Englands. Dazu stiegen sie im 19. Jahrhundert auf. Kleine Familienbetriebe boten ihre Produkte lautstark auf den Straßen Londons und den Städten Nordenglands feil. Der erste Fish-and-Chips-Shop eröffnete 1860 im Londoner East End. Bis heute ist es ein typisches Straßenessen geblieben, wenn es auch auf der Speisekarte vieler Pubs und sogar Restaurants erscheint. Dort muss man natürlich mit einer weiteren Tradition brechen, dem Essen mit den Fingern.

Traditionell wird Kabeljau verarbeitet, allerdings werden auch andere Fische mit weißem Muskelfleisch im Bierteig frittiert, etwa Schellfisch, Seelachs oder Scholle. In den Anfängen waren die Chips keine Kartoffelstäbchen, sondern frittierte Brotstücke.

Dönerbuden und andere Imbissmöglichkeiten machen dem Traditionsgericht seit Ende des 20. Jahrhunderts immer schärfere Konkurrenz. Dennoch werden immer noch jährlich 60.000 Tonnen Fisch und 500.000 Tonnen Kartoffeln für den Klassiker verarbeitet, der sich nicht nur auf der Insel großer Beliebtheit erfreut. Sie werden auch in den USA, Australien, Südafrika, selbst in der Volksrepublik China und dem Oman verspeist. Das Städtchen Barga in der Toskana feiert sogar jedes Jahr ein Festival der Fish’n'Chips, La Sagra del Pesce e Patate.



Mittwoch, 5. September 2007

big_ben_night.jpgDer Streik der Londoner U-Bahner ist nach nur einem Tag beendet worden. Das lässt sicherlich nicht nur die vielen Londoner, sondern auch die zahlreichen Touristen aufatmen. Denn ein besseres Verkehrsmittel als die Underground gibt es für den Besucher der englischen Hauptstadt nicht.

Über und unter London verläuft das längste und älteste U-Bahn-Netz der Welt. Bereits 1863 wurde der erste Streckenabschnitt, damals noch mit Dampflokomotiven, in Betrieb genommen. Obwohl sich von der Metropolitan Railway, der heutigen Metropolitan Line, die weltweit gebräuchlichste Bezeichnung für eine Untergrundbahn ableitet, nennen die Engländer sie dennoch nicht Metro. Der offizielle Begriff heißt Underground, in der Umgangssprache wird sie auch Tube genannt.

Insgesamt werden auf zwölf Linien rund 275 Stationen angefahren. Das gesamte Streckennetz ist rund 400 Kilometer lang. Trotz seiner Größe ist das System sehr übersichtlich. Schon bei unserem ersten London-Besuch waren meiner Frau Nicole die Central Line, Piccadilly Line, Circle Line und die weiteren Linien samt ihrer Farben in Fleisch und Blut übergegangen. Für langsamere Lerner wie mich gibt es aber an jedem Bahnhof Pläne.

Wer mit der Tube gefahren ist, wird sich an die monotone Ansage “Mind the Gap!” erinnern. Sie warnt vor der Lücke zwischen Bahnsteig und Waggon. Der Spruch besitzt Kultstatus, ziert zahlreiche London-Souvenirs und wurde auch schon in Songs verarbeitet.



Montag, 23. Juli 2007

london_parl1.jpgPopulär wie in Deutschland Maggi Würze, ist in England die HP Sauce. Doch nicht nur in Suppen und Eintöpfen ist sie als Zutat sehr beliebt, sondern auch auf Fleisch, Fisch oder Pommes. Mit fast 75 Prozent ist sie unangefochtener Marktführer und auch wenn die Essignote vorrangig britische Gaumen erfreut, lohnt sich ein Test auch für deutsche Genießer.

Für die Namensherkunft gibt es zwei Erklärungen. Frederick Gibson Garton, der die Sauce 1896 erfand, gab ihr den Namen HP, weil er mitbekommen hatte, dass sie in einem Restaurant des Parlamentes (Houses of Parliament) serviert wurde. So wurde auch ein Bild des Parlamentssitzes auf das Etikett gedruckt.

Die zweite Geschichte ist noch eine Spur origineller, wenn vielleicht auch nicht so authentisch. Glaubt man ihr, wurde die braune Flüssigkeit von einem Harry Palmer entwickelt. Beim Pferderennen hatte Palmer dann eine Pechsträhne und verkaufte das Rezept an Garton, um seine Schulden bezahlen zu können.

Schulden spielen jedoch auch eine Rolle in der offiziellen Produktgeschichte. Um seiner knappen Finanzlage zu entrinnen, verkaufte Garton Rezept und Namen an Edwin Samson Moore, den Besitzer der Midlands Vinegar Company. Der brachte die Sauce dann 1903 auf den Markt. Zu den großen Fans von HP gehörte ein PM. Die Frau von Premierminister Harold Wilson verriet in einem Zeitungsinterview, dass der einzige Fehler ihres Mannes das Ertränken aller Speisen in HP Sauce wäre.

Zu Wilsons Amtszeit in den 60er und 70er Jahren wurde die Sauce noch von HP Foods produziert. Mittlerweile wurde die Firma an das Unternehmen Heinz verkauft. Das verlegte den Produktionssitz von England in die Niederlande. Mit dem Abriss der alten Fabrik wurde in diesem Monat begonnen. Die Protestwelle im Vorfeld zeigt die Popularität von HP. So wurde zum Boykott von Heinz-Produkte aufgerufen, Mahnwachen abgehalten und der Abgeordnete Khalid Mahmood schwang im Unterhaus eine HP-Flasche wie ein Schwert, um seinen Protest zu bekräftigen.