Montag, 24. November 2008

schwebebahnMit dem Transrapid hat es in Deutschland nicht geklappt, obwohl er doch nur “10 Minuten” vom Hauptbahnhof in München bis zum Flughafen Franz Josef Strauß gebraucht hätte. Eine andere originelle technische Innovation besteht schon seit über 100 Jahren – die Wuppertaler Schwebebahn. Diese quicklebendige Bahn präsentiert sich nicht nur als Wahrzeichen und Denkmal, sondern auch seit der Einweihung im Jahr 1900 als ein für Wuppertal unentbehrliches Verkehrsmittel. 75.000 Fahrgäste schweben Tag für Tag mit ihr kreuzungsfrei durch die bergische Großstadt. Eis und Schnee stören sie wenig.
 
Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern dauert die luftige Fahrt von Endstation zu Endstation knapp 35 Minuten. Insgesamt gibt es an der 13,3 Kilometer langen Strecke 20 Bahnhöfe – vom Jugendstil-Bahnhof Werther Brücke bis zur supermodernen, erst 1999 eröffneten Glaskonstruktion Kluse. Auch die Schwebebahn, die sich “wie ein stahlharter Drachen mit vielen Bahnhofsköpfen und sprühenden Augen über den Fluss legt und wendet” (so die Dichterin Else Lasker-Schüler, bekannteste Tochter der Stadt) war für die Wuppertaler keine Liebe auf den ersten Blick:

Aufgebrachte Bürger schrien Zeter und Mordio, als die traditionsreichen Schwesterstädte Barmen und Elberfeld – erst viel später (1929) schlossen sie sich mit weiteren Gemeinden zur Großstadt Wuppertal zusammen – um die Jahrhundertwende grünes Licht für den Bau des “Tausendfüßlers” gaben. Allen Unkenrufen zum Trotz entpuppte sich die Schwebebahn sehr bald als Lieblingskind der Wuppertaler und Touristen-Attraktion Nummer eins.

Ein nostalgisches Schwebevergnügen verspricht die Fahrt mit dem leuchtend roten “Kaiser-wagen” – so genannt, weil einst Kaiser Wilhelm II. mitsamt seiner Gemahlin Auguste Viktoria darin durchs Wupper-Tal schwebte. Am 24. Oktober 1900 schwebten die Majestäten höchstselbst auf kaiserlicher Probefahrt von Elberfeld nach Vohwinkel. “Ruhig und sicher glitt der Wagen mit seiner theueren Last auf dem vielfach gewundenen Schienenwege dahin – und ihre Majestäten jeruhten mehrmals (!) huldvoll und jnädigst Jrüße nach unten an die treuen Unterthanen zu senden…”

Das schöne alte Vehikel wurde generalüberholt und stilecht restauriert: Mit plüschgepolsterten Sitzen, goldfarbenen Deko-Stoffen vor den Fenstern, nostalgischen Lampen und einer Jugendstil-Ornamentscheibe, die die Abteile der ersten und zweiten Klasse voneinander trennt. Dieser Wagen Nr. 5, Baujahr 1900, steht nicht etwa im Museum, sondern verkehrt planmäßig zu gemütlichen Kaffeefahrten, zum zünftigen Frühschoppen und zu stimmungsvollen Abendfahrten.

Foto: Stadt Wuppertal