Seit dem 1. Januar sind harte Zeiten für Raucher in deutschen Gaststätten und Kneipen angebrochen. Zwar gibt es noch die eine oder andere Übergangsregelung, doch die meisten Gastronomen haben das Rauchverbot umgesetzt. In England ist das schon lange der Fall. Und dort haben die Raucher gleich doppelt schlechte Karten, wie ich bei einem Kurztrip nach London festgestellt habe.
Irgendwo hatte ich gelesen, dass das “No smoking” in den Pubs ignoriert würde. Denkste! Überall rauchfreie Zone. Was dazu führt, dass auch bei 8 Grad und Sonnenschein die Tische nach draußen gestellt und tatsächlich auch kräftig genutzt werden. Ganz solche Hardcore-Raucher sind meine Frau und ich denn aber doch nicht und zogen ein Platz im Inneren vor. Genau da, wo man zwar für jede Bestellung an den Thresen gehen muss, aber auch ein einzelnes Pint mit der Kreditkarte bezahlen kann.
Der Schock kam dann aber, als sich unser Zigarettenvorrat aus Deutschland dem Ende zuneigte. Als wir vor fünf Jahren in der britischen Hauptstadt gewesen waren, hatten wir uns noch eine Stange mitgenommen, denn uns waren die hohen Preise für die Suchtröhrchen bekannt. Da aber auch zu Hause der Packungspreis mittlerweile explodiert ist, ignorierten wir das. 2,65 Pfund für eine Packung, also etwa 3,80 Euro, das schien ja auch nicht so schlimm zu sein. Dafür gab es allerdings nur eine 10er-Schachtel. Es werden nämlich 10er-, 14er- und 20er-Größen verkauft. Rauchenden Campingfreunden, die in England Urlaub machen wollen, bleibt also nur zu raten, genügend Zigaretten aus Deutschland mitzunehmen. Oder noch besser: mit dem Rauchen aufhören.
Zu Weihnachten in England gehören nicht nur die Fernsehansprache der Queen (dieses Jahr übrigens erstmals in HD) und der Christmas Pudding, sondern auch die Spannung, welches Lied wohl die Christmas Number One, also die Nummer eins der britischen Hitparade sein wird. Darauf werden sogar Wetten angenommen.
Favorit in diesem Jahr ist – wie schon in den vergangenen Jahren – der Gewinner der Talenteshow The X Factor, dem britischen Pendant zu Deutschland sucht den Superstar. Obwohl die Single von Leon Jackson, “When you believe”, erst am 20. Dezember veröffentlicht wird, so scheint es doch ziemlch wahrscheinlich, dass er die Spitze der Charts erklimmen wird. Dorthin schaffte es in der Vor-Weihnachtswoche Katie Melua mit “What a wonderful World”, das sie im – technisch produzierten – Duett mit der verstorbenen Eva Cassidy singt. Immerhin auch ein Stück, das für Emotionen sorgt.
Andere als die beiden Titel scheinen chancenlos. Obwohl sich in diesem Jahr ziemlich viele ehemalige erfolgreiche Weihnachtshits tummeln. Dazu gehören Maria Carey mit “All I want for Christmas is you” (4), “Last Christmas” von Wham!, Slades “Merry Xmas everybody” (22), “Merry Christmas everyone” von Shakin Stevens (23) und das unvergessene “Do they know it’s Christmas” von Band Aid (27). Wer die Euphorie um die Weihnachts-Nummer-eins verfolgen will, kann die britischen Charts am Heiligabend ab 19 Uhr auf BFBS im Internet hören.
In der Nacht zu Sonntag werden zahlreiche Gebäude in London rot angestraht. Der Grund: Am 11. November ist Rememberance Day. An ihm wird der Kriegstoten gedacht. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Mohn.
Im britischen Empire wurde der Tag nach dem Ersten Weltkrieg am 11. November eingeführt. Laut dem Waffenstillstandsvertrag von Compiègne sollten die Kriegshandlungen am elften Tag des elften Monats um 11 Uhr eingestellt werden. In England wird das Remembrance Day Weekend begangen. Am 11. November werden zwei Schweigeminuten gehalten. Am nächstgelegenen Sonntag, der in diesem Jahr der selbe Tag ist, legt die Königin im Beisein von Premierminister und Veteranen einen Strauß Mohnblumen am Mahnmal Cenotaph im Londoner Stadtteil Westminster nieder.
Die Mohnblume soll in Anlehnng an das Gedicht des Kanadiers John McCrae “In Flanders Fields” an die vom Blut der Soldaten geröteten Felder Flanderns erinnern. Abgeleitet vom englischen Namen der Blume wird der Gedenktag auch Poppy Day genannt. Künstliche Mohnblumen zum Anstecken werden vom Veterenärveband British Legion an diesem Tag verkauft.
Das Moorhuhn wird langsam flügellahm und Marius Müller-Westernhagens “Johnnie W.” wird auch kaum noch im Radio gespielt. Aber die Whiskymarke Johnnie Walker ficht all das nicht an, der Red Label gilt seit mehr als zehn Jahren als der meistgetrunkene Whisky der Welt. Die Geschichte des Unternehmens reicht hingegen fast 200 Jahre zurück.
1820 kaufen John Walker und seine Mutter in Klimarnock einen Gemischtwarenladen. Sie handeln mit Tee, Tabak und Weinen, wenig später auch mit Whisky. 1833 beginnt Walker damit, verschiedene Whiskysorten zu vermischen. Durch das Blenden gelingt es ihm einen runden und harmonischen Geschmack zu kreieren. Ende der 1860er Jahre lässt Johns Sohn Alexander den Old Highland Whisky als Marke schützen, das schräge Etikett wird zum Markenzeichen und dann auch die für den besseren Transport erfundene rechteckige Flasche.
Ein weteres unverkennbares Merkmal entsteht 1909. Während eines lockeren Dinnergesprächs mit den Walkers kritzelt der Karikaturist Tom Browne auf eine Speisekarte die Gestalt John Walkers, den “Striding Man”, den schreitenden Mann. 25 Jahre später wird das House of Walker zum königlichen Hoflieferanten erklärt, was es auch heute noch ist. Genossen wird Johnnie Walker aber nicht nur auf der Insel, sondern rund um den Globus. Laut Firmensite wird alle 2,7 Sekunden ein Red Label irgendwo auf der Welt getrunken.
Zugegeben, Zeitungsseiten mit Fettflecken sind nicht jedermanns Sache. Zum Lesen ist die Zeitung, in die Fish and Chips eingewickelt werden, ja auch nicht gedacht. Außerdem ist diese Tradition praktisch ausgestorben. Was man von der Kombination Backfisch und Pommes ganz und gar nicht behaupten kann.
Fish’n'Chips zählen zu den Nationalgerichten Englands. Dazu stiegen sie im 19. Jahrhundert auf. Kleine Familienbetriebe boten ihre Produkte lautstark auf den Straßen Londons und den Städten Nordenglands feil. Der erste Fish-and-Chips-Shop eröffnete 1860 im Londoner East End. Bis heute ist es ein typisches Straßenessen geblieben, wenn es auch auf der Speisekarte vieler Pubs und sogar Restaurants erscheint. Dort muss man natürlich mit einer weiteren Tradition brechen, dem Essen mit den Fingern.
Traditionell wird Kabeljau verarbeitet, allerdings werden auch andere Fische mit weißem Muskelfleisch im Bierteig frittiert, etwa Schellfisch, Seelachs oder Scholle. In den Anfängen waren die Chips keine Kartoffelstäbchen, sondern frittierte Brotstücke.
Dönerbuden und andere Imbissmöglichkeiten machen dem Traditionsgericht seit Ende des 20. Jahrhunderts immer schärfere Konkurrenz. Dennoch werden immer noch jährlich 60.000 Tonnen Fisch und 500.000 Tonnen Kartoffeln für den Klassiker verarbeitet, der sich nicht nur auf der Insel großer Beliebtheit erfreut. Sie werden auch in den USA, Australien, Südafrika, selbst in der Volksrepublik China und dem Oman verspeist. Das Städtchen Barga in der Toskana feiert sogar jedes Jahr ein Festival der Fish’n'Chips, La Sagra del Pesce e Patate.
Das Zehnerpack Tennissocken vom Wochenmarkt ist die eine Variante. Strümpfe mit Stil, die nicht nur einen Zweck erfüllen, sondern auch schön sind, die andere. Wer sich dafür entscheidet, kommt an einer Traditionsmarke kaum vorbei: Burlington.
Zur schottischen Geschichte gehören die Clans. Und hinter der Lifestylemarke steckt einer der berühmtesten von ihnen: die Campbells. Wie alle Clans definieren sie sich über ein Motto, ein Wahrzeichen und ein bestimmtes Kiltmuster, den Tartan. Das besondere des Tartans sind die farblich kontrastierenden Rhomben, die so gearbeitet sind, dass auf Vorder- und Rückseite die gleiche Farbe zu sehen ist.
Mitte der 50er Jahre hatte Ian Douglas Campbell, der 11. Duke of Argyll, die Idee den Tartan seiner Familie zu vermarkten. Er schloss sich mit dem amerikanischen Unternehmen Burlington zusammen und brachte das Karo, das fortan “Original Argyle” hieß, auf bunte Strümpfe. Die sorgten zunächst in den USA, dann in Europa für einen Boom der noch entstehenden Strumpfindustrie.
Mittlerweile sind die Burlingtons ein Klassiker, seit 1985 unverkennbar mit einem goldenen Clip versehen. Die Produktpalette wurde um Pullover, Unterwäsche und eine Kid’s Kollektion erweitert. “Du sollst nicht vergessen”, lautet das Familienmotto der Campbells und so gehört auch für den 13. Duke of Argyle, Torquhil Ian Campbell, ganz traditionsbewusst ein Pullover mit dem Muster seiner Familie zur Standardgarderobe.
Meinen ersten Dufflecoat hatte ich als Grundschüler. War ganz schick, dunkelblau und schön warm. Dann aber sah ich auf dem Schulhof, dass auch meine Lehrerin einen solchen Mantel trug. Ich als Junge in einem Frauenmantel? Fortan war er nicht mehr mein liebstes Stück. Mittlerweile habe ich dieses Trauma überwunden und überlege mir, für die Herbstsaison den zweiten Dufflecoat meines Lebens zu kaufen. Da trifft sich ganz gut, dass der wieder absolut in ist und mit Damenbekleidung hat er ursprünglich auch gar nichts zu tun.
Ursprünglich entworfen wurde der dreiviertellange Mantel aus schwerem Wollstoff mit den charakteristischen Knebelverschlüssen aus Holz oder Plastik für die Königliche Britische Marine. Die aufgesetzten Taschen und vor allem die Kapuze sind weitere unverkennbare Merkmale. Seinen Namen hat er von dem Stoff aus dem er besteht, der sich wiederum von der belgischen Stadt Duffel abgeleitet.
Einer seiner bekanntesten Träger war der britische Feldmarschall Montgomery, der unter anderem die Bodentruppen nach der Landung in der Normandie befehligte. Im Niederländischen wird das Kleidungsstück daher auch Montycoat genannt. Besonders populär ist er in England und Frankreich, wo ihn schon Jean Paul Sartre trug.
Der Streik der Londoner U-Bahner ist nach nur einem Tag beendet worden. Das lässt sicherlich nicht nur die vielen Londoner, sondern auch die zahlreichen Touristen aufatmen. Denn ein besseres Verkehrsmittel als die Underground gibt es für den Besucher der englischen Hauptstadt nicht.
Über und unter London verläuft das längste und älteste U-Bahn-Netz der Welt. Bereits 1863 wurde der erste Streckenabschnitt, damals noch mit Dampflokomotiven, in Betrieb genommen. Obwohl sich von der Metropolitan Railway, der heutigen Metropolitan Line, die weltweit gebräuchlichste Bezeichnung für eine Untergrundbahn ableitet, nennen die Engländer sie dennoch nicht Metro. Der offizielle Begriff heißt Underground, in der Umgangssprache wird sie auch Tube genannt.
Insgesamt werden auf zwölf Linien rund 275 Stationen angefahren. Das gesamte Streckennetz ist rund 400 Kilometer lang. Trotz seiner Größe ist das System sehr übersichtlich. Schon bei unserem ersten London-Besuch waren meiner Frau Nicole die Central Line, Piccadilly Line, Circle Line und die weiteren Linien samt ihrer Farben in Fleisch und Blut übergegangen. Für langsamere Lerner wie mich gibt es aber an jedem Bahnhof Pläne.
Wer mit der Tube gefahren ist, wird sich an die monotone Ansage “Mind the Gap!” erinnern. Sie warnt vor der Lücke zwischen Bahnsteig und Waggon. Der Spruch besitzt Kultstatus, ziert zahlreiche London-Souvenirs und wurde auch schon in Songs verarbeitet.
Die Bezeichnung lässt anderes vermuten, doch sie ist irreführend. Der Name ist in Wirklichkeit nur als Marketingtrick erfunden worden. In den englischen Wine Gums ist nämlich überhaupt kein Wein enthalten.
1909 erfand Charles Gordon Maynard diese mittlerweile in Großbritannien beliebteste Süßigkeit. Sein Vater, ein strenger Methodist und Antialkoholiker hätte ihn deswegen fast aus der Süßwarenfabrik gefeuert, weil er natürlich glaubte sie enthielte Wein. Doch sein Sohn konnte ihn überzeugen, dass zum Rezept kein Alkohol gehört und er den Namen nur gewählt hatte, weil das Naschen der Fruchtgummis so gut wie der Genuss eines Glases Wein sei.
Dennoch stehen auf den traditionellen Wine Gums, die seit 1990 von der Firma Bassett produziert werden, die Bezeichnungen “Port”, “Sherry”, “Burgundy”, “Champagne” und “Claret”. Laut Hersteller sind die Farben Rot und Schwarz am populärsten, werden von 80 Prozent der Süßschnäbel am liebsten vernascht.
Womit wird in Großbritannien bezahlt? Mit Pfund? Stimmt. Allerdings gibt es da auch kleine Unterschiede. Selbst in deutschen Banken ist es teilweise unbekannt, dass es auch ein Schottisches Pfund gibt. Der Umrechnungskurs zum englischen Pfund ist 1:1, doch ganz so unkompliziert ist die Angelegenheit dennoch nicht.
Drei Geschäftsbanken, die Bank of Scotland, die Clydesdale Bank und die Royal Bank of Scotland haben das Recht ihre eigenen Banknoten herauszugeben. In Nordirland gibt es übrigens vier Banken, die das Selbe tun. Während die Noten der Bank of England gesetzliches Zahlungsmittel in England und Wales sind, haben sie diesen Status in den beiden anderen Ländern nicht. Sie werden dort allerdings akzeptiert, die Münzen sind ohnehin überall gleich.
Schwieriger ist der umgekehrte Weg. An der Kasse von Harrods kann es sein, dass die Kassierein ablehnend guckt, wenn man mit einem Schein, auf dem Lord Ilay, der erste Gouverneur der Royal Bank of Scotland, abgebildet ist, bezahlen will. Für Rundreisende macht es also Sinn, die Noten in englische Pfund umzutauschen. Erst recht, vor der Heimreise nach Deutschland (s.o.). Selbe Münzen, unterschiedliche Scheine – Was hätte Obelix wohl dazu gesagt?