Mittwoch, 14. November 2007
“Beaujolais nouveau est arrivé” – “Der neue Beaujolais ist da.” Auf diesen Satz warten Weinfreunde jedes Jahr. Der Beaujolais Primeur kommt am dritten Donnerstag im November, in diesem Jahr am 15., in den Handel. Um den Tropfen, der von Weinkennern eher skeptisch betrachtet wird, ist ein wahrer Kult entstanden. In Frankreich werden die Bistros schon um Mitternacht gestürmt, um ein Glas von dem neuen Beaujolais bekommen, zu den größten ausländischen Abnehmern gehören Japan, die USA und Deutschland.
Der Primeur war der erste Wein, der schon im Jahr seiner Herstellung verkauft werden durfte. Am 13. November 1951 erstritten sich die Winzer eine Ausnahmegenehmigung vom französischen Weinrecht. Die Form der Vermarktung, den Wein am dritten Novemberdonnerstag einzuführen, wurde von Georges Duboeuf 1953 begonnen.
Ursprünglich war das Trinken des jungen Primeurs nur eine Freizeitbeschäftigung englischer Dandys. Sie flogen in das Burgund, um sich den allerersten neuen Wein zu beschaffen. Doch schon lange ist das Trinken des Beaujolais Primeur nicht mehr nur ein Vergnügen für die Upper-Class. Fast eine Million Hektoliter aus rund 25 Millionen Flascen rinnen weltweit durch die Kehlen der Weinfreunde.
Montag, 12. November 2007
Ratatouille – So heißt der aktuelle Erfolgsfilm aus den Disney-Studios. Erzählt wird die Geschichte von der Ratte Remy, die gerne Küchenchef werden möchte und dafür in einer Küche von Paris allerlei Abenteuer erlebt. Natürlich handelt es sich bei Ratatouille eigentlich um ein Gemüsegericht. Die Übersetzung ist allerdings typisch provenzalisch-rustikal und passt so ein bisschen zu der Rattenunterwelt. Rata heißt nämlich Fraß und touille bedeutet rühren. Was aber steckt hinter dem “gerührten Fraß”?
Ratatouille ist eines der klassischen Rezepte aus der Provence. Dort hat natürlich jede Familie ihr “echtes” Rezept. Das geschmorte Gemüsegericht ist dort ebenso typisch wie die Bouillabaisse oder die Rouille, eine dazu und anderen Fischgerichten passende Sauce.
Die wichtigsten Bestandteile sind Auberginen, Zucchini, Paprika, Tomaten und Knoblauch. Sie werden in Stücke geschnitten, angebraten und dann geschmort. Den besonderen Pfiff bekommt die Ratatouille dadurch, dass die verschiedenen Gemüsesorten separat angebraten werden. Kräuter wie Basilikum, Thymian, Oregano und Rosmarin sorgen für die individuelle Note, Öl, Salz und Pfeffer gehören immer dazu.
Montag, 24. September 2007
Wohl keine Musikrichtung ist so mit Frankreich verbunden wie der Chanson. Und mit ihm wohl keine Künstlerin wie Edith Piaf. Der “Spatz von Paris” war zwar nur 1,47 Meter klein, aber dennoch eine ganz Große.
Um ihre Kindheit wird man die als Edith Gassion geborene Sängerin kaum beneiden. Von ihrer Mutter verlassen und zunächst von ihrer Großmutter mütterlicher-, dann väterlicherseits aufgezogen, gehörten das Rotlichtmilieu und die Zirkuswelt zu ihrer Kinderstube. Mit 15 Jahren verließ sie ihren Vater, der sie zu sich geholt hatte, und ging als Sängerin nach Paris.
Ende der 30er Jahre gelang ihr der große Durchbruch, sie hatte Auftritte in ganz Europa und nahm unzählige Schallplatten auf. In der Kriegszeit blieb sie im besetzten Paris und gab Konzerte für Kriegsgefangene. Zahlreichen von ihnen verhalf sie durch gefälschte Papiere zur Flucht.
1949 kam die Liebe ihres Lebens, der Boxer Marcel Cerdan, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Der Schock löste bei ihr eine rheumatoide Arthritis aus, die sie mit starken und überdosierte Medikamenten bekämpfte. Die Alkoholexzesse taten ein übriges, um den Körper der unvergesslichen Interpretin von “La vie en rose” und “Non, je ne regrette rien” zu zerstören.
Ende der 50er Jahre brach sie auf der Bühne zusammen. Doch die Piaf ließ sich auch von der diagnostizerten Krebserkrankung nicht beeindrucken und trat weiter auf. Am 11. Oktober 1963 starb sie an einer Leberzirrhose. 40.000 Menschen nahmen an dem Begräbnis auf dem berühmtesten Friedhof von Paris, Père Lachaise, teil. Dort fand auch Yves Montand seine letzte Ruhe, dessen Karriere sie ebenso förderte wie die von Charles Aznavour und Gilbert Bécaud.
Sonntag, 23. September 2007
Lavendel ist die Trendfarbe der Saison. Macht ja auch keinen Sinn, nur weil die Tage trist werden, genauso rumzulaufen. Mit dem Lilaton kommt ein wenig Licht in die dunklere Jahreszeit und ganz unbewusst die Erinnerung an einen wunderbaren Duft.
Und die Pflanze Lavendel kann viel mehr als schön aussehen. Kleine Blütensäckchen verströmen im Kleiderschrank nicht nut einen angenehmen Duft, sondern schützen auch vor Motten. Aus den Blüten der für die Provence charakteristischen Pflanze wird vor allem in Südfrankreich ein ätherisches Öl hergestellt, das für seine beruhigende krampflösende Wirkung geschätzt wird und außerdem aseptisch wirkt.
Der Aromatherapeut Jean Valnet endeckte zudem die positive Wirkung der innerlichen Anwendung. Lavendelöl, in Honig oder Alkohol gelöst, hilft gegen Unruhezustände, Einschlafstörungen und Oberbauchbeschwerden. Lavendelbäder erfrischen bei niedrigem Blutdruck und sorgen gleichermaßen für einen guten Schlaf.
Sonntag, 16. September 2007
Ob Marie Antoinette ihretwegen den Kopf lassen musste, bleibt fraglich. Sie soll jedenfalls auf die Lebensmittelknappheit der Armen mit dem Satz “Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Brioche essen” reagiert haben. Auch ohne Marie Antoinette und Brotmangel ist die Brioche heute in Frankreich nach wie vor populär. Zum Frühstück gehört sie einfach dazu.
Das kleine duftende goldbraune Hefegebäck wird im Deutschen teilweise auch als Apostelkuchen bezeichnet, was den vermeintlichen Antoinette-Satz in der Übersetzung noch perfider erscheinen lässt. Der Hefeteig ethält sehr viel Butter und Eier und ist nur schwach gesüßt. So erinnert die Brioche eher an ein schweres Brötchen als an Kuchen. Kennzeichend sind der geriffelte Kragen und der glatte Kopf.
Der Name leitet sich vom Französischen “broyer” für “kneten” ab. Und das muss der Teig auch kräftig und mehrfach. Vor dem Backen wird er drei Mal gehen gelassen. In Frankreich werden Brioches bei allen wichtigen Festen und Anlässen gereicht. Manchmal verbirgt sich unter dem Kopf dann auch eine Füllung, etwa Früchte oder Pilze.
Donnerstag, 13. September 2007
Anfang September beginnt üblicherweise die Saison für Federweißer. In diesem Jahr stand er schon etwas früher in den Kühlregalen, weil auch die Lese der Trauben früher stattfand. Er ist das Vorzeichen für die bald beginnende Weinsaison.
Federweißer ist aus weißen Trauben gepresster Most, der gerade begonnen hat zu gären. Aber Vorsicht: Was fast nach Saft klingt, kann einen Alkoholgehalt bis zu elf Prozent und eine durchschlagende Wirkung haben. Und das in doppeltem Sinne. Einerseits verdeckt der Restzucker den Alkoholgehalt, den man erst mit Verzögerung merkt. Andererseits regen die enthaltenen Milchsäurebakterien und B-Vitamine die Darmperistaltik an.
Traditionell wird der Wein vom Elsässer Zwiebelkuchen begleitet. Die Tarte à l’oignon besteht aus einer dicken Schicht in Schmalz gebratener Zwiebeln auf einem Mürbeteig. Das Ganze wird mit Speckstreifen und Bechamelsoße überbacken. An Bikini-Figur ist da nicht zu denken, aber der Sommer ist ohnehin vorbei.
Dienstag, 4. September 2007
Wer hat denn schon einmal versucht, einen Crêpe zu Hause zuzubereiten? Wann immer ich es probiert habe, ist dabei nur ein schnöder Eierkuchen (da outet sich der Berliner) oder halt Pfannkuchen draus geworden. So musste ich wohl oder übel auf den nächsten Jahrmarkt oder Frankreichurlaub warten, denn nur dort werden Crêpes so dünn wie Schallplatten. Der Vergleich ist nicht von mir. Amélie Poulain dachte als sie noch ein Kind in ihrer fabelhaften Welt war, dass die schwarzen Scheiben tatsächlich wie Crêpes hergestellt würden.
Der Crêpe ist eine bretonische Erfindung. Sie ist als die süße Weiterentwicklung der dort beliebten Galettes anzusehen. Sie werden aus den Resten einer Buchweizensuppe zubereitet, die mit herzhaften Zutaten belegt und dann auf einem flachen heißen Stein, der auf bretonisch Galet heißt, gebacken.
Als vor etwa 100 Jahren das bis dahin luxuriöse Weizenmehl preiswerter wurde, begann der Siegeszug der dünnen runden Kuchen. Eines der bekanntesten Rezepte ist wohl Crêpe Suzette, bei dem der Crêpe mit einer flambierten Orangen-Grand-Marnier-Sauce zubereitet wird.
Die Legende besagt, dass dieses Rezept durch ein Missgeschick entstand. Als Henri Carpentier 1895 im Café de Paris in Monte Carlo das Dessert für den künftigen englischen König Edward VII. zubereitete fing die Sauce versehentlich Feuer. Spontane Namensgeberin wurde die Tochter eines der Begleiter des damaligen Prinzen von Wales: Suzette.
Samstag, 25. August 2007
In der Küche von Südamerika, Afrika und Asien spielt er so gut wie keine Rolle. In China gilt Käse gar als verdorbene Milch. In Europa hingegen ist er höchst beliebt. Mit geschätzten 1000 Käsesorten liegt Frankreich unangefochten an der Spitze.
Ein guter Wein, knuspriges Baguette, dazu gehört einfach auch ein Stück Fromage. Sein Käsereichtum ist wohl auf die Vielfalt der Landschaften Frankreichs zurückzuführen. Die saftigen Wiesen in Meeresnähe und den Flusstälern, die würzigen Bergweiden etwa in der Auvergne oder den Vogesen. Nicht zu vergessen die Weinberge, an deren Rand Ziegen nach Futter suchen, und die karstigen Hochflächen von Provence und Pyrenäen, wo nur Schafe zurechtkommen.
Ebenso wichtig ist natürlich die Individualität der französischen Bauern mit irer Sorgfalt und Fertigkeit, für die ein Käse nicht enfach nur ein Produkt, sondern ein Kunstwerk ist. Eine Käseplatte in Frankreich ist eben nicht einfach nur Begleiter zu Wein und Baguette, sondern Savoir vivre in Reinkultur.
Mittwoch, 22. August 2007
“They need to adore me, so Christian Dior me”, lässt Andrew Lloyd Webber seine Hauptdarstellerin im Musical Evita singen. In der Tat hüllte sich die wohl schillerndste Argentinierin in Kleider aus dem französischen Modehaus. Bewundert wurde sie ohnehin. Ebenso wie eine weitere Präsidentengattin, die bekennende Dior-Trägerin war: Jackie Kennedy.
Das Unternehmen wurde 1945 von Christian Dior zusammen mit Pierre Allemandi gegründet. Schon die erste Kollektion wurde 1947 als “New Look” gefeiert. Schmale Taille, figurbetontes Oberteil und weite, schwingende Röcke waren die Markenzeichen. Nach Diors Tod wurde Yves Saint Laurent 1957 Leiter des Hauses. Von dieser Funktion wurde er allerdings bereits vier Jahre später entbunden, da seine Mode als zu avantgardistisch galt.
CD war das erste Modeunternehmen, das Lizenzen für Parfum, Strümpfe und Accessoires vergab. Der zeitlose Damenduft Miss Dior feiert in diesem Jahr bereits seinen 60. Geburtstag. 2008 wird Diors Herrenklassiker Ean Sauvage 40 Jahre alt.
Mit seiner Lizenzpolitik lag das Haus offenbar goldrichtig. Denn heute ist der Erlös aus den Lizenzen von entscheidender wirtschaftlicher Bedeutung. Die Mode spielt damit nur noch eine Nebenrolle, wenn auch eine luxuriöse.
Donnerstag, 16. August 2007
Dass der Einwegkugelschreiber ausgerechnet aus dem Land der Philosophen und Literaten, die in einer Mansardenwohnung ihre Gedanken mit spitzer Feder zu Papier brachten, stammt, mag überraschen. 1950 brachte der Franzose Marcel Bich das von ihm entwickelte Schreibgerät auf den Markt. Der nach ihm benannte Bic ist der weltweit am meisten verkaufte Kugelschreiber.
Vorläufer hatte es zahlreiche gegeben. Doch entweder waren sie zu teuer – der amerikanische Reynolds’ Rocket kostete in den 40er Jahren eineinhalb Mal so viel wie eine Füllfeder – oder sie klecksten. Erst Bich fand die richtige Kombination zwischen Preis und Qualität. Schon in den 50er Jahren expandierte er nach Brasilien, Afrika und den Nahen Osten. Bic kaufte die amerikanische Pen Waterman Company. Heute ist Milford, Connecticut der Sitz der Unternehmenszentrale.
Ähnlich erfolgreich wie bei den Kugelschreibern betätigt sich die Firma auf dem Markt der Einwegfeuerzeuge und -rasierer. Ein Flop hingegen war das Parfum. Jour und Nuit für die Dame, ein Herrenduft und eine Sportkreation waren unter der Firmenprämisse gute Qualität zu einem erschwinglichen Preis anzubieten 1988 auf den Markt gekommen. Doch in Europa, Nordamerika, Afrika und dem Nahen Osten fanden sich nicht genügend Spürnasen. Die Produktion wurde 1991 eingestellt.