Dienstag, 7. August 2007

nils_allwardt_0011.jpgZu einer der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen an italienischen Stränden gehört das Boccia-Spiel. Eine kleine Kugel wird in den Sand geworfen und die Spieler versuchen aus einigen Metern Entfernung ihre bunten größeren Kugeln so nah wie möglich an das Ziel zu befördern. Dabei können sich wahre Dramen abspielen, ich habe selbst schon jähzornige Mitspieler erlebt, die kurz davor waren einen Zollstock aus dem Supermercato zu besorgen, um ihren Sieg zu beweisen.

Die Französische Verwandte heißt Boule, was ebenso wie im Italienischen das Wort für Kugel ist. Nicht der Strand, sondern ein trockener fester Platz mit ein paar Schatten spendenden Bäumen ist das ideale Spielfeld für das in Frankreiche Pétanque genannte Spiel. Boule ist dort nämlich der Name für seine Sportvariante.

Wie bei vielen große Erfindungen half auch beim Boule der Zufall. Jules Le Nois war verbittert. Tatenlos musste er den Spielern auf dem Bouleplatz von La Ciotat, 30 Kilometer von Marseille entfernt, zusehen. Wegen einer Behinderung am Bein konnte er nicht mitspielen. Um seinem Unmut Luft zu machen, begann er seine Kugeln auf kurze Distanz zu werfen. In einer Spielpause kam sein Freund Ernest Piotet hinzu, machte mit wie bald darauf einige andere mehr. Die Freizeitvariante des Boule war erfunden. Noch heute erinnert eine Gedenktafel an der Mauer des Pétanque-Platzes an das denkwürdige Ereignis von 1910.

Jedenfalls galt dies lange Zeit als Ursprungsjahr. Doch Anfang 2007 erklärten das Museum in La Ciotat und der Französische Pétanque-Verband, dass die legendäre erste Partie bereits 1907 stattgefunden habe. So konnte in diesem Jahr das 100-jährige Jubiläum gefeiert werden.

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